Wissenschaft trifft Politik: Austausch zur digitalen Resilienz
Analyse von Stadtstrukturen: Joachim Schulze zeigt, wie Bewegungsmuster bei der Planung resilienter Infrastruktur helfen. © / DiReX
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Wie können Städte auch bei Stromausfällen und digitalen Störungen handlungsfähig bleiben? Darüber informierten sich Vertreter:innen der hessischen Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 12. Februar 2026 an der TU Darmstadt. Im Mittelpunkt standen Forschungsprojekte von emergenCITY und DiReX zur resilienten Krisenkommunikation und Infrastruktur.
Digitale Resilienz zeigt ihren Wert erst dann, wenn sie gebraucht wird
Großflächige Stromausfälle der vergangenen Jahre – zuletzt auch in Berlin – haben deutlich gemacht, wo eine der größten Herausforderungen in Krisen liegt: nicht nur in der technischen Störung selbst, sondern in der schnellen und verlässlichen Information der Bevölkerung. Wenn digitale Kommunikationswege ausfallen, entstehen Unsicherheit, Gerüchte und Koordinationsprobleme.
Genau hier setzt die Arbeit des LOEWE-Zentrums emergenCITY und des Anwendungs- und Transferzentrums Digital Resilience Xchange (DiReX) an. Vertreter:innen der hessischen Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben sich ein Bild davon gemacht, wie Forschung in konkrete Instrumente für den Katastrophenschutz überführt wird.
V. l. n. r. Vertreter:innen der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hildegard Förster-Heldmann, Mathias Wagner, Andreas Ewald und Nina Eisenhardt im Austausch mit Vertreter:innen von emergenCITY und DiReX an der TU Darmstadt. © / DiReX
Konkrete Lösungen für Information und Krisenkommunikation
Anhand der Heinerboxen zeigte Matthias Hollick, wissenschaftlicher Koordinator von emergenCITY, wie sie Klima- und Verkehrsdaten für Bürger:innen sichtbar machen und gleichzeitig als resiliente Informationsschnittstelle in Krisensituationen dienen können. Nach der erfolgreichen Installation aller Boxen im Lichtenbergblock in Darmstadt startet die Testphase. Demnächst können die Bürger:innen auch die Messdaten live verfolgen.
Matthias Hollick demonstriert die Funktionsweise der Heinerbox am Modell. © / DiReX
Im Mittelpunkt stand zudem die Litfaßsäule 4.0. Sie adressiert als Pilotprojekt in Darmstadt genau das Problem, das sich in realen Krisenlagen immer wieder zeigt: Wie erreicht man Menschen, wenn klassische Kommunikationsnetze nicht mehr funktionieren? Als resilienter, öffentlicher Informationspunkt kann sie auch bei gestörten oder ausgefallenen digitalen Infrastrukturen aktuelle Informationen bereitstellen. So werden fehlende Information nicht selbst zur Krise. Die bereits geplanten Weiterentwicklungen zielen darauf ab, diese Funktion weiter auszubauen, wie Joachim Schulze, Reallabor-Leiter bei DiReX, erklärte.
Joachim Schulze stellt die Litfaßsäule 4.0 als Warnmittel für Krisensituationen vor. © / DiReX
Dialog zwischen Wissenschaft und Politik
Der Austausch hat gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Wissenschaft und Politik ist, um neue Ansätze kritisch zu diskutieren und ihre praktische Relevanz sichtbar zu machen. Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender, Hildegard Förster-Heldmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Nina Eisenhardt, Sprecherin für Hochschulen, Wissenschaft und künstliche Intelligenz und Andreas Ewald, Sprecher für Kommunalfinanzen, Queerpolitik und digitale Infrastruktur, kamen mit den Wissenschaftler:innen über Herausforderungen und politische Handlungsoptionen ins Gespräch.
Diskussion über Herausforderungen und Perspektiven digitaler Resilienz. © / DiReX
„Wir müssen offen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen sein und gemeinsam daran arbeiten, wie wir Resilienz konkret in die Praxis bringen können, denn dieser Austausch ist ein echter Xchange, auch für die Politik“, sagte Nina Eisenhardt.
Nina Eisenhardt, Sprecherin für Hochschulen, Wissenschaft und Künstliche Intelligenz der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, im Austausch mit den Forschenden. © / DiReX
Deutlich wurde: Digitale Resilienz ist kein abstraktes Konzept. Sie entscheidet im Ernstfall über Informationsfluss, Koordination und Vertrauen – und damit über die Handlungsfähigkeit unserer Städte.