Kommunales Klimamanagement: Wie innovative Verwaltungsstrukturen aufgebaut werden
Pflanzaktionen tragen dazu bei, den Klimaschutz in den Kommunen zu stärken. © Syda Productions / Adobe Stock
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Kommunen schaffen zunehmend Stellen für Klimamanager:innen, um Klimaschutzaufgaben lokal zu bewältigen. Eine aktuelle Studie der TU Darmstadt und des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) zur Verbreitung solcher Stellen in Hessen, die am 30. Juni in der Fachzeitschrift Public Administration Review erschienen ist, zeigt, dass neben der finanziellen Förderung des Bundes auch kommunale Netzwerke und die Landkreise als klimapolitische Vorbilder die Einrichtung solcher Stellen begünstigen.
Klimamanager:innen initiieren, erarbeiten und koordinieren als Teil der kommunalen Verwaltung ressortübergreifend Klimaschutzmaßnahmen, inbesondere Klimaschutzpläne. Seit 2008 werden entsprechende Stellen vom Bund gefördert.
Die Studie von Kai Schulze, wissenschaftlicher Mitarbeiter im LOEWE-Zentrum emergenCITY sowie im Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) und außerplanmäßiger Professor am Institut für Politikwissenschaften der TU Darmstadt, Jonas Schönefeld, Wissenschaftler und Projektleiter am IWU, und Marco Nicolay, Masterstudent an der Hochschule Darmstadt, untersucht, welche Faktoren über die Bundesförderung hinaus die Einrichtung von Klimamanagement-Stellen beeinflussen. Dafür analysierte das Autorenteam die Entwicklung dieser Stellen in allen hessischen Kommunen zwischen 2008 und 2023.
„Wir sehen unsere Arbeit als Fallstudie für die Diffusion administrativer Innovation. Unsere Konzepte lassen sich auch auf andere Innovationen übertragen beziehungsweise für deren Untersuchung nutzen. Darüber hinaus könnten Klimamanagerstellen auch ein Modell für die digitale Transformation und Smart Cities sein. Insbesondere überall dort, wo sektorenübergreifend und integriert auf neue Herausforderungen geantwortet werden muss“, sagt Kai Schulze.
Die Forscher untersuchten die Einführung von Klimamanagement-Stellen aus einer Diffusionsperspektive, die davon ausgeht, dass sich politische Akteure auf unterschiedlichen Ebenen in ihrer Politikgestaltung gegenseitig beeinflussen. Dazu nutzten sie das Konzept sogenannter weicher Diffusionskanäle (soft diffusion channels), welches freiwillige Verbindungen zwischen Kommunen und anderen staatlichen Akteuren erfasst, über die sich Innovationen verbreiten können.
Klimamanagement-Stellen sind ein Beispiel für eine in Deutschland recht weit verbreitete Verwaltungsinnovation, zu der bislang konkrete Zahlen fehlten. Die Verbreitung unterscheidet sich laut der Studienergebnisse allerdings erheblich, sodass nicht alle kommunalen Verwaltungen gleichermaßen neue Stellen zur Bewältigung der Klimakrise schaffen. In Hessen richteten bis 2023 lediglich 125 Städte und Gemeinden (29 Prozent) solche Stellen ein.
Lokale Netzwerke und Landkreise als Diffusionskanäle
Zwar wird die Mehrheit der Klimamanagement-Stellen in Hessen durch Bundesmittel finanziert, zunehmend entstehen aber auch eigenfinanzierte Stellen. Neben der Bundesförderung können auch lokale Netzwerke und die Kreisebene die Einrichtung dieser Stellen begünstigen.
Ein Beispiel ist das vom Land Hessen gegründete Bündnis „Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen“. Mitgliedskommunen können sich mit Städten und Gemeinden austauschen, die bereits über Klimamanagement-Stellen verfügen und Unterstützung bei der Antragstellung erhalten. Laut Studienergebnissen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Klimamanagement-Stelle eingerichtet wird bei Mitgliedern der Klima-Kommunen mehr als doppelt so hoch wie bei nicht-Mitgliedern. Verfügt der Landkreis bereits über Klimaschutzpläne oder eigene Klimamanagement-Stellen, steigt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass Kommunen desselben Kreises eine entsprechende Stelle einrichten.
„Wenn erste Kommunen vorangehen, entstehen auch Nachahmungseffekte“
„Unser Befund ist besonders für ländliche und strukturschwächere Regionen eine gute Nachricht. Kleinere Städte und Gemeinden können durch gezielte Aktivitäten auf Bundes-, Landes- und Landkreisebene für Klimaschutz und Klimaanpassung gewonnen werden. Wenn erste Kommunen vorangehen, entstehen auch Nachahmungseffekte“, sagt Kai Schulze.
Denn die Voraussetzungen für die Einrichtung von Klimamanagement-Stellen unterscheiden sich auch nach der Gemeindegröße: Da die Beantragung und Umsetzung Verwaltungskapazitäten erfordert, schaffen vor allem größere Kommunen entsprechende Stellen. Für kleinere Kommunen können die organisatorischen Anforderungen eine Hürde darstellen; es besteht aber die Möglichkeit, durch den Zusammenschluss mehrerer Kommunen eine gemeinsame Stelle zu beantragen.