Medienresonanz: Michèle Knodt zu Angriffen auf die Strominfrastruktur
Nach Anschlägen auf Umspannwerke sagte Michèle Knodt: „Wir müssen uns klarmachen, dass wir unser Stromsystem vor allem resilient bekommen müssen." © / AdobeStock
- News
Die mutmaßlichen Sabotageakte an Umspannwerken in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen Anfang September haben die Frage nach dem Schutz kritischer Energieinfrastruktur erneut in den Fokus der Medien gerückt. Mehrere Medien griffen dabei auf die Expertise von Michèle Knodt, Direktorin des Anwendungs- und Transferzentrums Digital Resilience Xchange (DiReX) an der TU Darmstadt, zurück.
Im Interview mit dem Deutschlandfunk in der Sendung „Forschung aktuell“ vom 3. September erläuterte Michèle Knodt, welche Folgen gezielte Angriffe auf Umspannwerke haben können und wo die Grenzen eines umfassenden physischen Schutzes der Strominfrastruktur liegen. „Einen hundertprozentigen Schutz wird es nicht geben“, sagte die Politikwissenschaftlerin. „Wir müssen uns klarmachen, dass wir unser Stromsystem vor allem resilient bekommen müssen. Dass es, wenn etwas passiert ist, möglichst schnell wieder in die Funktionsfähigkeit kommt, also hochgefahren wird und wieder unseren Strom liefert.“
Dafür nennt die Resilienzforscherin drei zentrale Ansatzpunkte: schnell verfügbare Einsatzteams für Reparaturen, die Bevorratung kritischer Ersatzteile und Komponenten sowie eine stärkere Standardisierung und Harmonisierung, damit Netzbetreiber im Schadensfall auf kompatible Ersatzteile anderer Betreiber zurückgreifen können. Dabei verweist sie auf die Erfahrungen der Ukraine mit der Wiederherstellung beschädigter Energieinfrastruktur.
Grenzen von Schutzmaßnahmen und Drohnenabwehr
Auch die hessenschau des Hessischen Rundfunks griff am 2. September die aktuellen Angriffe auf und befragte Michèle Knodt dazu, wie sich Kritische Infrastruktur besser gegen Sabotage schützen lässt. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Frage nach dem Einsatz von Drohnenabwehr. „Das ist mein Plädoyer: Die Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen die Kompetenz bekommen, selbst zu detektieren und selbst abzuwehren“, sagte sie dem HR.
Darüber hinaus befragte das Science Media Center Germany am 3. September Forscher:innen nach ihrer Einschätzung zu den Angriffen. Hier sagte die Politikwissenschaftlerin: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass wir durch höhere Zäune und Überwachungskameras eine räumlich verteilte Kritische Infrastruktur wie unsere Stromnetze und Umspannwerke vollständig schützen können.“
MDR Wissen, Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, Neue Rhein Zeitung sowie über 100 weitere Medien, darunter vor allem Regionalzeitungen, griffen die Perspektiven der Expertin im Zeitraum vom 4. September bis 6. September ebenfalls auf.