Podcast „KOMMUNAL.Perspektive“: Michèle Knodt über resiliente Kommunen
Im Podcast „KOMMUNAL.Perspektive“ spricht Michèle Knodt über Krisenkommunikation, den Mut von Helmut Schmidt und wie Litfaßsäulen in Krisen helfen könnten. © / Adobe Stock
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Was können Kommunen aus den Fehlern der Ahrtalflut oder des Anschlags auf das Stromnetz in Berlin lernen? Wie können sie sich resilienter aufstellen? Darüber sprach Michèle Knodt, Direktorin des Anwendungs- und Transferzentrums Digital Resilience Xchange (DiReX) mit Christian Ehrhardt, Host des Podcasts „KOMMUNAL.Perspektive“.
Im Podcast, der am 3. Juni auf den gängigen Podcast-Plattformen unter dem Titel „Katastrophenschutz: Eine Expertin spricht Klartext“ erschien, erklärte die Professorin für Politikwissenschaft an der TU Darmstadt, warum Kommunen zwar auf kleine, aber häufig nicht auf ein großes Schadenereignis gut vorbereitet sind. „Da fehlt es an der Übung“, sagte Michèle Knodt. Kommunen hätten zwar meistens einen ausgedruckten Krisenplan, aber keine Routine. Verschiedene Krisenszenarien müssten durchgespielt werden.
„Resilienz entsteht nicht in der Krise, sondern vor der Krise.“ Ein Umdenken finde mittlerweile aber statt. „Der Berliner Blackout,“ so die Wissenschaftlerin, „war ein Wachrüttler.“
„Kommunikation mit der Bevölkerung ist das A und O.“
Auch aus der Ahrtalkatastrophe können Kommunen weiterhin lernen. Die Koordination zwischen Verwaltungs- und Krisenstab sowie Einsatzkräften muss auch für große Lagen eingeübt werden. Zudem muss die Kommunikation zwischen den Einheiten und mit der Bevölkerung verbessert werden. „Kommunikation mit der Bevölkerung ist das A und O.“
Dazu stellte sie passende digitale Werkzeuge, an denen im LOEWE-Zentrum emergenCITY geforscht wird, vor, darunter die Litfaßsäule 4.0, die Heinerboxen oder die Kommunikation in Krisen über unterbrechungstolerante Netzwerke (DTN).
Heute kein Anreiz für den Mut von damals
Zudem sprach die Forscherin über die Rolle der Bürgermeister:innen in der Krise und erklärte, warum für den Mut, den Helmut Schmidt 1962 als Polizeisenator während der Sturmflut in Hamburg aufbrachte, heute häufig der Anreiz fehle. „Üben ist unsichtbar, das bringt auch keine Stimmen“, betonte Michèle Knodt. Zudem sei die Angst vor Fehlern und eine fehlende Selbstverpflichtung das Problem.
Zum Schluss warf sie einen Blick auf die Länder Estland und Finnland, die mit ihrem „Whole-of-Society-Ansatz“, also der Einbeziehung der Bevölkerung, besser auf Krisen vorbereitet sind.
KOMMUNAL.Perspektive ist ein Podcast des Magazins KOMMUNAL. Einmal im Monat interviewen die Hosts Christian Erhardt und Rebecca Piron Expert:innen zu kommunalpolitischen Themen. Er richtet sich an Bürgermeister:innen und an Kommunalpolitik Interessierte.