Spannende Praxiseinblicke im Webinar „Digitale Kriseninformation in Kommunen“
Im Webinar "Digitale Kriseninformation in Kommunen" erhielten Teilnehmer:innen Einblicke in Smart City Projekte von vier Kommunen und in die Forschung zu digitaler Resilienz. © Screenshot und Collage: DiReX / Hintergrund: AdobeStock
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Wie können Kommunen ihre Krisenkommunikation resilienter gestalten? Wie können sie ihre Bürger:innen vor extremen Wetterereignissen warnen? Welche Daten können wie und für wen aufbereitet werden? Antworten auf diese Fragen bot das Webinar „Digitale Kriseninformation in Kommunen“, welches das Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) am 8. September zusammen mit den Beraterinnen von „Haselhorst Associates Consulting“ veranstaltete.
Rund 50 Teilnehmer:innen aus Kommunen, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sowie Wissenschaft erhielten in dem anderthalbstündigen Webinar Einblicke in laufende Smart City Projekte von vier Kommunen und in die Forschung zu digitaler Resilienz. Joachim Schulze, Leiter Reallabore DiReX, ging in seinem Vortrag auf Herausforderungen im kommunalen Krisenmanagement ein und unterstrich die Bedeutung urbaner Datenplattformen.
„Kommunen stehen vor großen Herausforderungen, angefangen bei der Klimakrise bis hin zum mangelnden Krisenbewusstsein in der Bevölkerung“, so Joachim Schulze. „Mit Datenplattformen können wir das Krisenmanagement unterstützen, indem wir unterschiedlichen Akteuren Zugriff auf krisenrelevante Informationen geben.“ Der Architekt stellte zudem drei Lösungen, die im LOEWE-Zentrum emergenCITY entwickelt wurden, sowie ein Projekt aus dem Odenwaldkreis vor und zeigte, wie diese die Resilienz stärken können.
Gemeinsame Datenbasis als Grundlage
Lucia Wright, Associate Partner bei Haselhorst Associates, erklärte, warum eine gemeinsame Datenbasis wichtig ist und zeigte am Beispiel Frankfurts, wie Daten aufbereitet werden können. „Verwaltungen sollten sich die Frage stellen, wie Daten so aufbereitet werden können, dass sie auch für andere Nutzer:innen einen Mehrwert bieten“, sagte Lucia Wright.
Im Anschluss folgten vier aufschlussreiche Einblicke in die Praxis. Stefan Gräf, Abteilungsleiter IT-Infrastruktur, Informationssicherheit und Business Continuity Management der Stadt Solingen, präsentierte die Projekte „SMARTKRIS“ und „Digitalraum-on-Tour“, mit dem die Stadt Solingen ihre Krisenkommunikation resilient aufgestellt hat. Über ein Cockpit können kleinräumig Warnungen verteilt werden, die über eine App, digitale Stelen und weitere Kanäle zu den Menschen kommen. Ein zum mobilen, autarken Informationspunkt umgestalteter Anhänger unterstützt Bürger:innen in der Krise vor Ort.
Schwerpunkt: Hochwasserinformationssysteme
Nicole Baeumer, Projektleiterin Smart City, Stadt Lemgo und Gemeinde Kalletal, gab einen Einblick in das Hochwasserinfosystem ihrer Kommune und zeigte zugleich wichtige Erkenntnisse aus dem Projekt auf, zum Beispiel warum eine enge Zusammenarbeit der Fachexpert:innen in den Verwaltungen wichtig ist und warum Verantwortlichkeiten frühzeitig definiert werden müssen.
Philip Velmer, Bereichsleiter Cluster und Technologie, Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, stellte das „Bergische Hochwasser-Meldesystem 4.0“ vor, das mit Hilfe von KI und einem engmaschigen Sensornetz Prognosen entwickelt. Und Ramona-Margarita Ruppert, Leiterin des Fachdienstes Wasser und Bodenschutz sowie Projektleiterin Starkregenfrühalarmsystem im Landkreis Fulda gab Aufschluss über das Starkregenfrühalarmsystem in ihrem Landkreis, das besonders kleinräumig warnen kann und unterschiedliche Zielgruppen über verschiedene Kommunikationskanäle einbezieht.
Teilnehmer:innen konnten Perspektiven interaktiv einbringen
Über ein Interaktionstool im Webinar konnten die Teilnehmer:innen auch ihre Perspektiven einbringen. Dabei stellte sich heraus, dass digitale Krisenkommunikation in den meisten Kommunen eine Rolle spielt. Bei 47 Prozent befindet sich diese im Aufbau, bei weiteren 47 Prozent ist sie bereits etabliert, dabei besteht aber noch Verbesserungspotential. Nur bei sechs Prozent ist sie voll im Einsatz und erprobt. 88 Prozent der Kommunen der Webinar-Teilnehmer:innen verfügen über eine urbane Datenplattform beziehungsweise bauen diese gerade auf oder planen diese, aber nur 14 Prozent integrieren dabei krisenrelevante Informationen.
„Das Webinar hat eindrücklich gezeigt, wieviel Potential in der Aufbereitung von Daten für den Krisenfall steckt, wie wir damit digitale Krisenkommunikation verbessern und unsere Kommunen resilienter machen können“, resümierte Joachim Schulze.